Sie sollten gut auf das Vorstellungsgespräch - ob mit Training bzw. Coaching oder ohne - vorbereitet sein, allerdings auch möglichst unverkrampft auftreten. Bleiben Sie so locker wie möglich und so reserviert wie nötig. Denn im Gegenzug müssen auch Sie prüfen, ob der potenzielle Arbeitgeber Ihnen die richtigen Konditionen bieten kann und ob die anvisierte Tätigkeit Ihnen liegt.
Es kommt vor, dass der Arbeitgeber Ihnen die neue Stelle in den schönsten Farben ausmalt, wenn er an Ihnen ernsthaft interessiert ist. Im Kampf um qualifizierte Bewerber ist man oft nicht zimperlich. Ihre Position ist daher kaum die eines Bittstellers, auch wenn der Vertreter des Arbeitgebers letztlich am längeren Hebel sitzt. Je spezieller Ihre Kenntnisse, je passender Ihre Qualifikationen sind, desto besser ist Ihre Ausgangssituation - auch in einem möglicherweise sehr engem Arbeitsmarkt.
Es gibt Kernpunkte zu beachten
In einem Vorstellungsgespräch gibt es typische sensible Gebiete, die der Personalentscheider oder Arbeitgeber abtastet. Die meisten Vorstellungsgespräche folgen diesem bestimmten Muster. Wir haben die Kernpunkte und dazugehörige Leitfragen zusammengestellt:
Umgangsformen/Small Talk-Fähigkeit/Persönlichkeit
Hier wird Ihr potentieller Arbeitgeber genau beobachten, wie Sie reagieren. Denn er möchte herausfinden, wie Ihre kommunikativen Fähigkeit im Umgang mit unbekannten Menschen sind. Seien sie freundlich ohne dabei überdreht oder überschwänglich zu wirken. Auch sollten Sie Blickkontakt zu Ihrem Gesprächspartner aufnehmen und halten. Warten Sie ab, bis Ihnen Ihr Gesprächspartner die Hand reicht. Erwidern Sie den Händedruck durchaus kräftig, aber ohne die Hand zu quetschen. Wichtige Kernfragen sind:
Leistungsmotivation
Der Arbeitgeber möchte sicherstellen, dass Sie sich bewusst für sein Unternehmen entschieden haben. Seine Fragen können lauten:
Beruflicher Werdegang/Kompetenz
Hier soll sicher gestellt werden, dass Sie auch wirklich die geforderten Qualifikationen mitbringen. Wahrscheinliche Fragen lauten:
Familiärer Hintergrund
Der Arbeitgeber stellt diese Fragen, um zu erfahren, ob Ihr soziales Umfeld nach seinen Maßstäben in Ordnung ist, oder ob es dort vielleicht gravierende Probleme gibt, die Sie daran hindern könnten Ihren Job mit voller Arbeitskraft auszuführen. Von daher empfiehlt es sich diese Fragen mit einiger Zurückhaltung zu beantworten. Probleme dürfen Sie verschweigen.
Ehrlichkeit und taktisches Geschick
Wir haben bewusst darauf verzichtet, bei den aufgeführten Fragen Musterantworten zu geben – oftmals bestimmt die individuelle Situation, wie Sie antworten sollten.
Beispiele: Wenn Sie sich für eine Spezialistenposition beworben haben, kann es klug sein, die bisherige Führungsverantwortung nicht zu stark zu betonen, weil man Sie sonst wahrscheinlich für überqualifiziert hält. Wenn die Position Raum für einen internationalen Einsatz gibt, sollten Sie sich nicht ausgesprochen sesshaft geben. Wenn Sie aufgrund von privaten Problemen einen Karriereknick hinnehmen mussten, so kann es günstiger sein, diesen mit vorgeschobenen objektiven Gründen zu erklären, weil niemand einen vermeintlich psychisch instabilen Mitarbeiter einstellt.
Keine Selbstverleugnung
Nur eines muss Ihnen klar sein: Sie bewegen sich hier in einem Korridor, der Ihnen in den meisten Fällen lediglich gewisse Möglichkeiten offen lässt. Es geht hier aber nicht darum, die Wahrheit so auszuhebeln, dass Sie sich selbst verleugnen. Damit tun Sie weder Ihrem potenziellen Arbeitgeber noch und vor allem sich selbst keinen Gefallen – selbst wenn es Ihnen gelingt, Ihr Gegenüber zu überzeugen, ist die Gefahr, im Job prompt zu scheitern, sehr groß.
Erlaubte und unerlaubte Fragen
Jeder Arbeitgeber, der einen neuen Mitarbeiter einstellen will, ist daran interessiert, sich möglichst umfassend über ihn zu informieren. Doch seinem Forscherdrang sind enge Grenzen gesetzt: Die Arbeitsgerichte haben in zahlreichen Entscheidungen festgelegt, welche Fragen er einem Bewerber stellen darf und welche nicht.
Grundsätzlich gilt, dass nur solche Fragen zulässig sind, die in einem inhaltlichen Zusammenhang mit dem zukünftigen Arbeitsverhältnis stehen. Die Konsequenz daraus ist, dass der Bewerber vorsätzlich lügen darf, wenn dieser Zusammenhang nicht gegeben ist. Denn wenn er einfach die Auskunft verweigert, kann der Arbeitgeber daraus schließen, dass er sich um die Antwort drücken will und ihn deshalb nicht einstellen. Wenn die Lüge nach Abschluss des Arbeitsvertrages entdeckt wird, gilt der dennoch ohne Einschränkungen.
Ganz anders sieht es dann aus, wenn ein Bewerber die Unwahrheit sagt, obwohl die entsprechende Frage erlaubt war. Dann kann der Arbeitgeber den Arbeitsvertrag wegen Täuschung oder Irrtum juristisch anfechten.
Nicht gefragt werden darf in der Regel nach:
Zulässig sind dagegen Fragen nach:
Ihre Fragen
Natürlich verläuft die Prozedur nicht nur einseitig - auch Sie dürfen während des Gesprächs und insbesondere gegen Ende Ihrerseits Fragen über das Unternehmen stellen. Diese sollte Sie sich von vornherein gut überlegen. Gut sind immer offene Fragen, die beispielsweise mit „Wer“, „Was“ oder „Wie“ beginnen und eine längere Auskunft erfordern. Sie dürfen und sollen Fragen stellen, die für Ihre Entscheidungsfindung wichtig sind und noch nicht im Laufe des Gesprächs geklärt wurden. Wichtige Fragen können sein:
Und schließlich sollten Sie die Frage nach Ihrem Gehalt klären. Bleiben Sie dabei realistisch, erkunden Sie sich vorher bei Freunden oder im Internet bei Jobbörsen oder Zeitschriften, in welchem durchschnittlichen Bereich sich Ihre zukünftige Position eingliedert. Achten Sie bei der Gehaltsklärung gegebenenfalls auch auf das Verhältnis von Fixum und Bonus sowie auf sonstige Zuwendungen wie Firmenwagen. Denken Sie insbesondere bei Angeboten mit einem sehr niedrigen Fixgehalt genau darüber nach, wie realistisch die Erreichung einer entsprechend hohen Bonusauszahlung ist.
Kleidung
Kleiden Sie sich dem Anlass entsprechend. Verzichten Sie auf Jeans und Pullover, bevorzugen Sie Anzug, Kombination, Kostüm oder auch Hosenanzug. Grundsätzlich sollten Sie natürlich die Branchengepflogenheiten und die Unternehmenskultur beachten. Fragen Sie, falls möglich, einen Bekannten, der in diesem Unternehmen arbeitet, oder beobachten Sie notfalls an einem Tag vor Ihrem Gespräch die Angestellten, die im Unternehmen ein und aus gehen.
Es dürfte allerdings klar sein, dass in Banken und Versicherungen ein anderer Kleidungsstil herrscht als in einer Werbeagentur. Vermeiden Sie es aber möglichst, schicker als Ihr Gegenüber gekleidet zu sein. Sie müssen sich auch in einer Bank nicht unbedingt im maßgeschneiderten, mitternachtsblauen Nadelstreif vorstellen.
Zusammenfassung
Sie werden im Vorstellungsgespräch alle Fakten und Verhältnisse zu Ihrem Vorteil, also möglichst positiv darstellen müssen. Dabei sollten Sie natürlich, außer bei unzulässigen Fragen, bei der Wahrheit bleiben. Dass Sie diese dann so weit wie möglich dehnen sollten, versteht sich von selbst. Informieren Sie sich also vorab so genau wie möglich über das Unternehmen und die Position, auf die Sie sich bewerben. Spielen Sie dann die Kernpunkte vorher durch und überlegen Sie sich eine gezielte und für Sie vorteilhafte Argumentation.
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